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Buchpräsentation

Otto Hans Ressler liest:
Der Mikl

Edition Va Bene Wien
336 Seiten, ISBN 978-3-85167-287-9

 

Am Montag, 12. Oktober um 19.00 Uhr
der Kunstraum

in den Ringstrassen Galerien

DerMikl

 

Der „Provokateur“, der „schwer Fassbare“, wie ihn Die Presse in ihrem Nachruf beschrieb, war eine der prägenden Figuren der zeitgenössischen österreichischen Malerei.  „Sich mit der Kunst einzulassen“, sagt er, „gibt’s nicht umsonst.“  „Mikl“ hat aus der Kunst die Kraft für ein ganzes Leben gezogen – und ist doch daran zugrunde gegangen.

 

„Mikl“ ist keine Biografie, sondern ein Künstlerroman, der sich freilich eng an den biografischen Daten Josef Mikls entlang entwickelt. Fiktion und Fakten sind darin nicht zu trennen. Der Künstler selbst erzählt von seiner Kindheit im nationalsozialistischen Wien und vom Widerstand, den er zu leisten versuchte. Er erzählt von seinem Studium an der „Graphischen“ und an der Akademie, von seiner Wut auf das Künstlerhaus, das für ihn ein einziger Hort ehemaliger Nazis war, und der bösen Rache, die er an deren Mitgliedern nahm. Er beschreibt seine Professoren Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl, berichtet von seinen ewigen Streitigkeiten mit Alfred Hrdlicka, von seiner Verachtung für Sergius Pauser, Oswald Oberhuber und Gustinus Ambrosi, und immer wieder von seinem Hass auf Journalisten im Allgemeinen und Kunstkritiker im Besonderen.

 

„Mikl“ schildert seine Zeit im Art Club und die Eifersüchteleien und Konkurrenzkämpfe in der Gruppe St. Stephan. Er erklärt, warum er nur für so wenige Künstlerkollegen Sympathie und Respekt aufbringt und für so viele nichts übrig hat, weil er sie für Scharlatane hält. Er erzählt von Monsignore Otto Mauer, seinen ersten Aufträgen, den ersten Erfolgen. Er enthüllt die Abgründe seines Lebens, legt schonungslos die Probleme seiner drei Ehen offen, berichtet von seiner Zeit als Akademieprofessor und am Theater am Fleischmarkt, von seiner Feindschaft mit Klaus Kinski und seiner Freundschaft mit Helmut Qualtinger. Aber vor allem erzählt er, was Kunst für ihn bedeutet – etwas, was er Zeit seines Lebens meist abgelehnt hat. Er erklärt, wie er zu seinen „Röhren“ kam, die in den 1940er und 1950er Jahren, als es an der Akademie noch verboten war, abstrakt zu malen, das Publikum verstörten. Er äußert sich über die Missverständnisse über zeitgenössische Kunst, über den Unfug, den Kritiker darüber verbreiten, und über die zentrale Bedeutung des Handwerklichen.

 

„Ein Sprichwort besagt“, notiert er, „das Handwerk habe goldenen Boden. Aber wo das Handwerk verschwindet, verschwindet auch dieser Boden. Wir leben“, schreibt er, „auf einer vergifteten Talmi-Erde. Zusammen mit der Wegwerf-Industrie mit den dazugehörigen Wegwerf-Direktoren und ihren Wegwerf-Gehältern. Auch die Kunst verliert ihren Boden“, schreibt „Mikl“, „wenn das Handwerk in ihr verschwindet. Auch die Kunst ist vergiftet.“

 

Zuletzt nimmt „Mikl“ offen zu seiner Krebserkrankung und seinem bevorstehenden Tod Stellung; beides Themen, über die er im wirklichen Leben nie auch nur ein Wort verloren hat. Und immer wieder kehren seine Gedanken zurück zur Kunst, zur Malerei, zu den Auseinandersetzungen über Abstraktion und Gegenständlichkeit, über die weit verbreiteten Irrtümer, die darüber herrschen, über den „Zeitgeist“, für den er nur Verachtung übrig hat, und die Hoffnung, dass sich in einer fernen Zukunft die Fragen, die die Gegenwart nicht beantworten konnte, klären werden.

 

Josef Mikl wurde am 8. August 1929 in Wien geboren. Von 1948 bis 1955 studierte er Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1956 gründete er mit Arnulf Rainer, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky die Gruppe „Galerie St. Stephan“, die sich unter der Leitung von Monsignore Otto Mauer zum Brennpunkt der österreichischen Avantgarde entwickelte. 1964 wurde Josef Mikl zur documenta III in Kassel eingeladen, vertrat 1968 Österreich bei der Biennale in Venedig und wurde 1969 an die Akademie der bildenden Künste in Wien berufen, wo er 27 Jahre lang eine Meisterschule bzw. den Abendakt leitete. In den 1990ern realisierte er das 400 Quadratmeter große Deckengemälde und 22 Wandbilder für den Redoutensaal der Wiener Hofburg. Er starb am 29. März 2008.

 

Otto Hans Ressler wurde am 12.11.1948 in Knittelfeld geboren. Er war ab 1978 Direktor des Grazer Dorotheums, danach Direktor der Kunstabteilung des Wiener Dorotheums. 1993 – 2011 Geschäftsführender Gesellschafter der Auktionshaus im Kinsky GmbH. Seit 2014 Geschäftsführender Gesellschafter der RESSLER KUNST AUKTIONEN GMBH. Autor zahlreicher Bücher, u.a. Der Markt der Kunst (2001), Die Preise der Kunst (2003), Der Wert der Kunst (2007), alle im Böhlau Verlag. Mehrere Romane, zuletzt „Die Irreführung“, und „Zuflucht“, beide erschienen 2014 in der  Edition Va Bene.

 

120 Tatia Bakuradze Somnium

Künstlerin des Monats:

Tatia Bakuradze