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5. April 2011 - Der Mai bringt Kunstfreunden und Kunstsammlern ein weiteres Highlight. Mit insgesamt sechs Partnergalerien präsentiert der Kunstraum in den Ringstrassen Galerien dreizehn Künstler und Künstlerinnen. Der Kunstraum hat zu Jahresbeginn von 120 auf 250 Quadratmeter expandiert und ist damit die größte Innenstadtgalerie Wiens. Auf dieser Fläche organisiert Galerie-Leiter Hubert Thurnhofer nun erstmals eine kleine, aber feine Kunstmesse mit internationaler Beteiligung.

 

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Kunst als Parallelaktion lässt viele Deutungen zu. Befindet sich die Kunst jenseits aller politischen Unruhen in einem Elfenbeinturm? Ist die Kunst abseits aller Naturkatastrophen auf einer Insel der Seligen zuhause? Kennt der Kunstmarkt nur „20 bis 30 relevante Künstler“, wie ein bekannter österreichischer Museumsdirektor meint, oder finden sich beachtenswerte Künstler und Künstlerinnen auch unter den weniger bekannten Namen? Sind für bedeutende Kunstsammlungen Millionenbeträge erforderlich oder können nachhaltige Sammlungen auch mit geringeren Summen aufgebaut werden?

 

Mediale Spotlights beleuchten vorwiegend die Spitze der Kunstmarktpyramide. Mit der Parallelaktion Kunst will Thurnhofer bewusst darauf hinweisen, dass auch neben oder „unter“ den „Göttern der Kunst“ beachtenswerte Positionen zu finden sind. Diese können außerdem zu einem vernünftigen Preis erworben werden. „Man muss kein Gott sein, um ausgezeichnete, originelle Kunstwerke zu schaffen. Und man muss kein Krösus sein, um sich Kunst leisten zu können“, widerspricht der Galerist und Messeorganisator einem weit verbreiteten Irrtum.

 

Die Parallelaktion soll in diesem Sinne nicht am Thema Kunst vorbei führen, sondern Positionen zur Diskussion stellen, deren Relevanz sich aus der Qualität der Arbeiten und nicht aus der Bekanntheit eines Namens ableitet. Analog zu Robert Musil, der sich in seinem epochalen Roman dem „Wesen und Inhalt einer großen Idee“ widmet, wird die Parallelaktion Kunst Wesen und Inhalt zeitgenössischer Kunstwerke zu Diskussion stellen.

 

Robert Musil schildert in seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ eine Gesellschaft von Adeligen, Wissenschaftlern, Künstlern, Unternehmern, Politikern und Generälen, die im Salon von Ermelinda „Diotima“ Tuzzi das 70jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Josef planen, das 1918, im gleichen Jahr wie das 30jährige Jubiläum Kaiser Wilhelm II stattfinden sollte. Diese Parallelaktion zur Planung einer „patriotischen Aktion“ verweist auf den Höhepunkt einer Epoche. Die Pointe besteht darin, dass die Parallelaktion in dem Jahr stattfinden sollte, in dem die Monarchien in Österreich und Deutschland abgeschafft wurden.

 

„Die Parallelaktion Kunst will darauf hinweisen, dass sich die Kunst langsam selbst abschafft, wenn immer mehr von immer weniger gezeigt wird. Wenn sich alles nur noch um 20 bis 30 Künstler dreht, so ist das kein Beitrag zu einem tieferen Kunstverständnis“, meint Thurnhofer, der mit einem interessanten Rahmenprogramm wieder frischen Wind in Kunstdiskurs bringen will.

 

Als besonders Zuckerl der Parallelaktion Kunst nehmen alle Besucher der Kunstmesse an der Verlosung von insgesamt drei Kunstwerken teil. 

 

Details über alle Aussteller und Künstler der Ausstellung berichtet die VERNISSAGE (pdf)

 

120 Kasakov Ein Narr

Künstler des Monats:

Andrej Kasakov

im Schloss Reichenau

26.7. bis 23.8.2020