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In einem Interview mit der ZEIT anlässlich der Ausstellung seiner Bilder "Fire Etchings" in der Galerie Gmurzynska, lässt der Modeschöpfer Karl Lagerfeld mit einigen provokanten Statements aufhorchen.

DIE ZEIT: Herr Lagerfeld, würden Sie das, was Sie hier in der Galerie zeigen, als Kunst bezeichnen?

Karl Lagerfeld: Ich bin dafür, dass man es Fotografie nennt. Zaha Hadid sagt, dass sie Architektin ist. Marc Newson sagt, er sei Designer. Leute, die eigentlich einen anderen Beruf haben, aber behaupten, dass sie Künstler seien, haben ein Problem. Helmut Newton hat nie gesagt, dass er ein Künstler sei. Das sagen nur die, bei denen ein Zweifel besteht.

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ZEIT: Funktioniert der Kunstmarkt heute so ähnlich wie das Geschäft mit der Mode? Nach dem Prinzip: Zwölf Super-brands dominieren den Weltmarkt?

Lagerfeld: Man sollte das vielleicht nicht mit dem Wort brand belegen, aber heute gibt es zu viele große Galerien, die ein Mordsgeschäft betreiben. Ich liebe Galerien, die intimer sind, wie etwa die Galerie Gmurzynska, welche vor allem auf russische Avantgarde spezialisiert ist. Oder Galerien für Plakate. Ich selbst sammle deutsche Werbeplakate aus der Zeit zwischen 1905 und 1915, das waren die einflussreichsten Jahre im Bezug auf die Werbung, zu diesem Thema werde ich demnächst auch ein vierbändiges Werk herausgeben.

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ZEIT: Was haben Sie denn zuletzt gekauft?

Lagerfeld: Ein Landschaftsgemälde, das in der Gegend eines meiner Häuser entstanden ist. Es ist am Rande des Kitschs, was ich nicht hasse. Das hängt aber nicht an der Wand, das habe ich so aus Spaß gekauft. Und dann habe ich ein sehr schönes Bild von Marie Laurencin gekauft, aber von 1908. Das sind ja ihre ganz seltenen Bilder, die sind toll. Die späteren Bilder sind Kitsch für Schokoladendosen. Ich habe auch Zeichnungen von Feininger gekauft, ich bin ein Feininger-Fanatiker.

ZEIT: Und diese Bilder hängen allesamt nicht an der Wand?

Lagerfeld: Nein. Wissen Sie, wenn man 300.000 Bücher besitzt, dann hat man keinen Platz mehr für Kunst. Kunstwerke sollen im Kopf existieren, nicht als Trophäen an der Wand. Ich kenne genug Reiche, bei denen man im Wohnzimmer sofort erkennt, wie viel jedes Bild gekostet hat. Und viele Preise sind so übertrieben. Wenn Leute zu teure Kunst kaufen, ist das ein Beweis dafür, dass sie keinen wirklichen Geschmack haben. Denn meistens hätten sie diese Kunst schon früher für weniger Geld kaufen können, aber es hat denen wahrscheinlich erst einen Kick gegeben, als die Kunst teuer war. Die wichtigen Sammlungen der Welt wurden fast alle für wenig Geld zusammengekauft. Wenn Kunst teuer ist, muss man sie nicht mehr entdecken, dann kann sie jeder kaufen. Nicht jeder, da übertreibe ich vielleicht.

Quelle: DIE ZEIT Nº 09/201321. Februar 2013

120 Kasakov Ein Narr

Künstler des Monats:

Andrej Kasakov

im Schloss Reichenau

26.7. bis 23.8.2020