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Über die Preisentwicklung schreibt Brigitte Suchan im Wiener Journal (26. Juni 2015), die Kunstmarkt-Formel zitierend: „Nach dem großen Crash stiegen die Preise für Kunstwerke trotz einbrechender Aktienkurse, weil Kunst zunehmend nicht als alternatives Investment, sondern auch als Fluchtwährung gesehen wurde.“ Bis hierher unterschreibe ich ihre Ausführungen.

 

Die folgende Behauptung würde ich aber relativieren: „Das Angebot an guter Kunst ist limitiert.“ Das ist zwar ein häufig gebrachtes Argument, das hohe und höchste Preise erklären und legitimieren soll. De facto gibt es aber tausende Kunstwerke mit hohem Wert und niedrigem Preis, die die Aussage, dass „gute Kunst“ nur beschränkt verfügbar sei und die Preise daher quasi nach dem „Marktgesetz von Angebot und Nachfrage“ steigen, widerlegen. Preis und Wert sind prinzipiell unterschiedliche Kategorien.

 

Phänomenologisch und sprachkritisch hab ich das in der Kunstmarkt-Formel ausgeführt. In einem aktuellen Beitrag hab ich Uecker und Spoerri verglichen und den Unterschied auch empirisch belegt. Details siehe...

 

Wiener Journal

 

Leider lenkt Suchan in ihrem Artikel das Augenmerk stark, meiner Meinung nach zu stark, auf das Thema Kunst als Investment. Die Kunstmarkt-Formel führt aus, dass Kunst nicht nur als Investment und Fluchtwährung, sondern auch als Währung großes Potenzial hat:

„Die Krise des Kunstmarktes beginnt schon beim Kunstproduzenten. Viel wird über Kunst als Anlage bzw. als Investment diskutiert. Besser wäre es über Kunst als Währung zu diskutieren, als alternative Währung zu Geld. Wer die letzten fünf Jahre nicht völlig verschlafen hat, dürfte mittlerweile wissen, dass Geld von den Banken aus Luft geschaffen wird und nur noch deshalb in der heutigen Form in Umlauf ist, weil immer noch die Mehrheit darauf vertraut. Blind vertraut. Die Vertrauensbasis wird aber zunehmend dünner. Für die Sehenden eröffnet die Kunst ungeahnte Möglichkeiten, denn genauso wie Geld kann man Kunst aus Luft schaffen, ausgerüstet lediglich mit Ideen und Kreativität. Und das völlig legal!“ (Die Kunstmarkt-Formel, S. 123)

 

120 Kasakov Ein Narr

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Andrej Kasakov

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26.7. bis 23.8.2020